Die Maschinen
Vom Viehstall zum Full-Liner
Zwischen der ersten Pflanzmaschine aus Stahl und der 12 Meter breiten Großflächensämaschine liegen sechs Jahrzehnte. Ein Rundgang durch das Programm – und durch die Logik, die dahintersteckt.
Vierzig Jahre in zehn Bildern
Helmut Weiste hat für seine eigene Website eine Auswahl getroffen: zehn Maschinen, an denen sich ablesen lässt, wie aus einem Wellrohr eine Typenreihe und aus einer Typenreihe ein weltweiter Standard wurde. Seine Bildunterschriften sind hier übernommen.










Pflanzen, hacken, legen

Am Anfang stand die Pflanzmaschine: die erste einsatzfähige aus Stahl in Deutschland, später die führende in Europa. Dazu kamen Kartoffel-Legegeräte, Hack- und Häufelgeräte. Auf dem Höhepunkt 1966 machten diese Produkte 90 Prozent des Umsatzes aus – 8.800 Einheiten im Jahr. Vier Jahre später waren es 4.000. Der Absturz war so schnell, dass er das Unternehmen fast mitgerissen hätte.
1963 kamen Saatbett-Kombinationen hinzu: Kultureggen, Eggen und Krümler, die sich – anders als beim Wettbewerb – vom Landwirt selbst zu Kombinationen seiner Wahl zusammenstellen ließen. Der Gedanke, dass der Kunde kombiniert und nicht der Hersteller vorschreibt, zieht sich durch die ganze Firmengeschichte.
Erste Generation: DS, 1968
Nach dem Feldtag entschied man sich – gegen Heinrich Weistes Auffassung – für eine Anbau-Drillmaschine mit dem Tank auf der Maschine, 5 und 6 Meter breit. Der Vertrieb sah für die getrennte Bauweise damals keinen Markt. Es war, rückblickend, die Absage an genau jene Idee, die drei Jahre später in Australien den Air Seeder hervorbrachte.
Die Maschinen kamen zu früh. Für enge Reihenweiten griff man zu Ober- und Unterverteilern, ohne zu bedenken, dass sich die Ungenauigkeiten pro Verteiler addieren. Der Absatz stagnierte bei rund 140 Maschinen im Jahr – zu Preisen, die nicht kostendeckend waren.

Das DL-Modulsystem, 1977

Das Grundkonzept entstand in den Flitterwochen auf einem Zeichenblock. »DL« steht schlicht für leichte Drillmaschine. Neu war nicht ein Bauteil, sondern die Architektur:
- ein einheitlicher Säwagen mit Tank, Dosiergerät, Gebläse und Rädern
- daran angeklemmt eine austauschbare, klappbare Scharschiene
- Zusammenbau erst in der Endmontage – kurze Lieferzeiten auch bei Sonderausführungen
Während mechanische Drillmaschinen für jede Arbeitsbreite einen eigenen Rahmen mit Tank brauchten, entstand hier aus wenigen Baugruppen eine ganze Typenreihe. Nach nur zwei Jahren Entwicklungszeit bot ACCORD Arbeitsbreiten von 3 bis 8 Metern an – Sonderbreiten wie 2,5, 3,5, 6,66 oder 7,5 Meter waren leicht zu realisieren, ohne einen einzigen Spezialrahmen zu schweißen.
| Typ | Ab | Bauform | Arbeitsbreite |
|---|---|---|---|
| DL | 1977 | Leichte Anbau-Drillmaschine | 3 – 4,5 m |
| DT | 1979 | Tandem: zwei DL-Tanks, zwei Scharrahmen, ein Gebläse | 5 – 9 m |
| DA | 1982 | Aufsattel-Drillmaschine auf der Kreiselegge | 2,5 – 4,5 m |
| DF-1 / DF-2 | 1986 / 1989 | Fronttank, aufgelöste Bauweise | 2,5 – 6 m |
| DC | 1987 | Combi für Saatgut und Dünger | 3 m |
| DV | 1995 | Variabel, Doppeltank, kompakt klappbar | 5 – 8 m |
DA – der Bestseller

Anfang der 1980er kam das Drillen in Kombination mit Kreiseleggen auf. Die Drillmaschine hing hinter der Egge, der Schwerpunkt lag weit hinten: Der Kraftheber war überfordert, die Vorderachse entlastet, die Lenkfähigkeit dahin. Helmut Weiste setzte den Saatguttank stattdessen über die Kreiselegge. Eingespart wurden Hubrahmen, Gelenkwelle und Räder – die Maschine wird von der Packerwalze getragen. Damit war die 3-Meter-DA nicht teurer als eine mechanische Drillmaschine mit Hubrahmen.
Über das Satteldreieck ließ sie sich auf Kreiseleggen aller Marken aufsatteln: Rabe, Lemken, Lely, Kuhn, Kverneland, Howard, Krone, Niemeyer, Maschio – und auf Zinkenrotoren, Kurzgrubber und passive Säkombinationen. Nach vier Jahren wurden mehr DA als DL verkauft; 1989 waren es 1.500 von 2.550 Maschinen, 1998 sogar 70 Prozent des Absatzes.
Weil die meisten Kreiseleggenhersteller keine eigene Drillmaschine hatten, stellte ACCORD ihnen bereitwillig Maschinen für Vorführungen zur Verfügung. Wenn die Säkombinationen zum Einsatzfeld fuhren, sprach man von der »ACCORD-Parade«.

DF – der Fronttank
1966 hatte ACCORD die Tanks bereits vom Schar getrennt. Zwanzig Jahre später gab es dafür endlich einen Markt: Bei 4 und 6 Metern Arbeitsbreite wurde die Last auf den Hinterrädern zu groß. Weil viele Traktoren inzwischen Frontkraftheber und Frontzapfwelle hatten, stand vorn ein genormter Anbauraum zur Verfügung. Der Fronttank ersetzte zugleich die Ballastgewichte.

DC – und die Whisky-Hänge
In Schottland wird Gerste für Whisky mit einer Startdüngung in der Saatfurche ausgebracht. 1987 baute ACCORD dafür die Combi-Drillmaschine DC mit geteiltem Tank. Auf den bis zu 40 Prozent steilen Highland-Hängen drillten die Farmer quer zum Hang – und die Gerste rutschte auf der flachen Tankwand nicht mehr nach. Zwei Wochen später zeigten sich unbesäte Streifen.
Die Lösung war so einfach wie das System selbst: ein kleiner Luftschlauch vom Gebläse in die Tankkehle. Der Luftstrom entlang der flachen Wand ließ die Gerste stetig nachfließen. Firmenintern hieß die Sache seither das Problem der Whisky-Hänge.

Düngerstreuer
Der 10-Meter-Streuer von 1968 kam gemeinsam mit der ersten Drillmaschinen-Serie – und musste vielfach zurückgenommen werden. Der 12-Meter-Streuer, Helmut Weistes erstes eigenes Projekt, brachte 1969 die doppelte Förderleistung und Teilbreiten-Schaltung.
1983 folgte der TURBO: 18 Meter Streubreite bei nur 15 Metern Auslegerbreite, Ausleger an einem Stahlseil aufgehängt, die beim Anfahren gegen ein Hindernis wegschwenken und zurückgezogen werden. 1988 kam die elektronische Mengenregelung dazu. 1999 wurde die Produktion eingestellt.

Einzelkornsaat: MONOPILL, MINIAIR, OPTIMA
Mit der Beteiligung an der Firma Fähse in Düren stieg ACCORD 1985 in eine zweite Technik ein. Die Aufgabe ist eine andere: Nicht ein Strom soll gleichmäßig geteilt, sondern jedes einzelne Korn in einem definierten Abstand abgelegt werden. Das Bauteil, auf das es dabei ankommt, nannte man bei ACCORD das »Säherz«.
MONOPILL-S – Zuckerrüben

Eine Säscheibe mit nur vier Zellen, deren Abstand dem mittleren Legeabstand von 20 Zentimetern entspricht. Der Antrieb ist so eingestellt, dass die Umfangsgeschwindigkeit der Scheibe genau der Fahrgeschwindigkeit entspricht – die »Nullablage«. Die Saatpillen verrollen dann auch bei hohem Tempo nicht. Die Befüllung der Zellen löste Walter Schneiders mit einer seitlichen Innenbefüllung, rein mechanisch, ohne pneumatische Unterstützung.
Weil das Säherz schlank baut, sitzt es tief im Säschar: nur 3 Zentimeter Fallhöhe.
MINIAIR-S – Feinsaaten

Zuvor musste schwieriges Gemüsesaatgut kalibriert oder pilliert werden, um es überhaupt vereinzeln zu können. Das MINIAIR-S-Säherz schafft das erstmals mit naturbelassenem Saatgut: Vakuum, Säscheiben mit feinen Sauglöchern, spezielle Abstreifer und zwei Abwurfdüsen müssen zusammenspielen. Samen von 0,8 bis 4,5 Millimetern – Zwiebeln, Kohl, Spinat, Möhren, Radies, Salat, Fenchel, Dill, Chicorée, Tabak.
Der Nutzen ist am Ende auf dem Teller zu sehen: gleichmäßig große Möhren, gleichmäßig große Salatköpfe. Die spätere Miniair-Nova erreicht mit Säscheiben mit zwei Lochkreisen eine schmale Doppelreihe – entwickelt eigens für Möhren.

OPTIMA – Mais, Soja, Sonnenblumen

Das OPTIMA-Säherz kommt ohne Dichtung am Außenrand der Säscheibe aus: Die Scheibe ist auf einen flachen, rotierenden Teller geklemmt, der über seine Hohlwelle mit dem Sauggebläse verbunden ist. Keine Reibung, kein Verschleiß, geringes Antriebsmoment. Damit lassen sich alle Grobsaaten ausbringen – von Rübensamen über Mais, Soja und Sonnenblumen bis zu Erdnüssen und großen Bohnen.
Der Rahmen erlaubt die freie Anordnung der Säreihen samt Düngerscharen. An einem 3-Meter-Rahmen lassen sich sieben Säreihen mit nur 37,5 Zentimetern Abstand anbringen: Engsaat. In Feldversuchen brachte sie 5 bis 10 Prozent Mehrertrag gegenüber 75 Zentimetern – dazu früherer Bestandsschluss, weniger Erosion und Verdunstung, gleichmäßige Abreife.
Mit diesen drei Reihen bot ACCORD in der Einzelkornsaat das umfassendste Angebot am Markt – und war, zusammen mit dem Drillmaschinenprogramm, der erste Full-Liner in der Sätechnik.
Was nach 1999 kam
Helmut Weiste schied Ende 1999 aus der Geschäftsführung aus. Die Entwicklung in Soest ging weiter – unter Dr.-Ing. Till Meinel, mit wachsender Elektronik und mit dem Mechatronik-Zentrum der Kverneland Group im Rücken.
Tine Seeder TS, 2002
Eine Kultivator-Drillmaschine mit Zinkenscharen, zunächst für die trockenen, harten Böden Spaniens. George Randles sah einen Prototyp in Soest und bestellte ihn für England. Die erste Serie war komplett verkauft; der TS überholte bald die alte DL. 2009 folgte der TS-EVO mit fünf Zinkenreihen.
MSC, ab 2001
Die Modulare Säkombination: Bodenbearbeitung, Aussaat und Düngung in einem Arbeitsgang. Entscheidend war ein Fund auf einem Cereal Event in Ostengland – die kurz bauende »Vario-Disc«-Scheibenegge von Evers aus Holland.
DG-9000 / 12000, 2009
12 Meter Arbeitsbreite, 6.000 Liter Tank, bis zu 140 Hektar am Tag. Die Klappkinematik wurde am Rechner simuliert; das Ausklappen dauert unter zwei Minuten. Dazu das CX-Ultra-Säschar mit 41 Zentimeter Scheibendurchmesser.
FlexCart, 2012
Ein Säwagen, an den sich Drillrahmen wie Einzelkornsämaschinen kuppeln lassen. Den Entwurf hatte Helmut Weiste schon 2003 als Berater geliefert; der Prototyp stand 2003 auf der Agritechnica. Der Wettbewerb kam mit einer praktisch gleichen Maschine im selben Jahr wie Kverneland heraus.

Die Elektronik wurde zum Innovationstreiber: ISOBUS-Terminals, elektrisch angetriebene Dosiergeräte je Säreihe, opto-elektronische Körnerzählung – und mit GEOseed die Ablage der Samen im Dreiecks- oder Quadratverband. Weil dann alle Pflanzen den gleichen Standraum haben, wächst der Bestand gleichmäßiger; und weil man längs und quer zur Reihe hacken kann, eröffnet das neue Perspektiven für den Bio-Rübenanbau.

